22. Juni 2013

"Mit Liebe hat das nichts zu tun" von Claudia Mech

 (Copyright: Elf Uhr Verlag)

35 Grad im Schatten, was gibt es da Besseres als zu lesen? Richtig, nichts! "Mit Liebe hat das nichts zu tun!" von Claudia Mech, habe ich daher gestern Abend verschlungen, da wegen der Hitze sowieso nicht an schlafen zu denken war. 160 Seiten hatten mich fest im Griff und lenkten mich von der erdrückenden Wärme ab.



Stefanie hatte es noch nie leicht im Leben. Als Kleinkind wird sie vom Jugendamt aus ihrer Familie genommen und lebt die nächste Zeit in einer Pflegefamilie mit mehreren anderne Kindern zusammen. Dort ging es ihr zwar nie schlecht, aber es waren eben nicht ihre Mutti und ihr Vati. Danach nehmen sie ihre Großeltern auf, die genau zu dem werden was sie braucht, Eltern. Für Stefanie sind ihre Großeltern eben ihre Eltern, das stört sie garnicht. Bis zu ihrem 12 Lebensjahr hat sie eine unbeschwerte Kindheit und lebt gerne in dem kleinen niederrheinischen Dorf. Doch dann scheint sich alles zu ändern. Im Mallorca Urlaub gleiten die Hände ihres Vatis wie zufällig beim Eincremen unter den Bikini und über ihre Brüste. Empört schilt sie ihn, doch dies scheint erst der Anfang zu sein. Wieder zu Hause beginnt eine schwere Zeit für das Mädchen. Jedes Mal wenn ihre Mutti aus dem Haus geht, beginnt Vati ihr Lektionen beizubringen, wie das jeder gute Vater eben tut, zumindest will er ihr das weiß machen. Zuerst verwirrt darüber, merkt auch das Kind irgendwann, dass der früher so liebevolle Vater etwas mit ihr tut, dass sich nicht gehört. Doch wem soll sie sich anvertrauen? Gefällt es ihr nicht doch ein bisschen wenn er sie berührt? Und ist das nicht ihr Geheimnis? Außerdem liebt sie ihn doch! Und wer würde ihr schon glauben?

Puh! Was für ein Buch. Eigentlich bin ich ja eher abgeneigt solchen Büchern gegenüber, da die Autorin über ihre eigene Kindheit berichtet, auch wenn die Protagonistin Stefanie heißt. Doch das wunderschöne Cover und der Klappentext hatten mich dann doch neugierig gemacht und ich fragte nach einem Rezensionsexemplar. Eine wirklich gute Entscheidung!
Claudia Mech schildert ihre Lebensgeschichte in einer einfachen kindlichen Sprache, die sehr gut zum Alter der Protagonistin passt. Gleichzeitig jedoch, ist die Wortwahl so mitreißend und einprägend, dass ich von der ersten bis zur letzten Silbe an Stefanies Lippen hing und ihren Gedanken lauschte. Die Protagonistin ist liebevoll und detailliert gezeichnet und mir fiel es wirklich leicht mich gleich in sie hinein zu versetzen, was mir normalerweise ja etwas schwerer fällt. Auch die Umgebung und ihr Umfeld werden sehr gut beschrieben und man erlebt den Alltag in einem kleinen Dorf vor 30, 40 Jahren mit. Es scheint eine ganz andere Zeit zu sein.
Den Missbrauch den Stefanie durchlebt schildert die Autorin sehr gut und auch die widersprüchlichen Gefühle die sie dabei hegt. Gefällt es ihr nun oder findet sie es eklig? Will sie, dass es aufhört? Ja, aber wie soll sie das anstellen? Die Gedankenwelt des Mädchens wird so ehrlich, naiv und gleichzeitig doch so erwachsen und ernst dargestellt, dass ich sofort mitfühlte und selbst nicht wusste, was ich denken sollte.
Ich kann das kleine Büchlein nur weiterempfehlen, denn die Autorin schafft es ein so schwieriges Thema, dass ihr Leben sicher verändert hat, für den Leser, einfach, nachvollziehbar und vorallem sehr gefühlvoll zu schildern.

Daher bleibt mir nicht mehr zu sagen als 5 von 5 Kolibris, die mehr als nur verdient sind!
Der einzigste kleine mini Kritikpunkt den ich hab, ist der Preis. 11 Euro für 160 Seiten finde ich zwar etwas happig, dennoch denke ich, es lohnt sich! Das Buch ist in wirklich guter Qualität, das Cover ist sehr schön gestaltet und der Inhalt ist mehr als überzeugend.

Link zum Buch: KLICK


Keine Kommentare: