21. Februar 2016

Infernale von Sophie Jordan (Hörbuch gelesen von Friederike Walke)

 (Copyright: cbj Audio Verlag)

Ein Buch, welches derzeit heiß diskutiert und sehr oft im Netz auftaucht, ist “Infernale”. Aus der Feder von Sophie Jordan erschien es im Februar 2016 im Loewe-Verlag als gebundene Ausgabe und nun auch bei cbj Audio als Hörbuchversion.

Was ist, wenn man anders ist, als alle anderen? Was ist, wenn alle einen nur als Testergebnis sehen und nicht mehr als Mensch?
Dies muss Davy nun am eigenen Leib erfahren, denn bei der wohlerzogenen und talentierten jungen Frau wurde HTS diagnostiziert - das Mördergen.
All ihre Zukunftsperspektiven sind dahin und nur noch eines scheint den Menschen wichtig zu sein, sie so schnell wie möglich aus ihren Leben ausradieren zu können.
Doch Davy bekommt eine Chance und versucht in eine neue Welt zu schauen, in der sie nicht länger das liebe Mädchen von nebenan ist …

Internierungslager, aussätzig, nicht mehr zugehörig, nichts mehr wert, keine “normalen” Menschen - als dies formte unsere Vergangenheit. Nun hat Sophie Jordan Teile davon für sich genutzt und eine neue, beängstigende Geschichte geschaffen.
Davy erscheint als normales Mädchen, dass Träume hatte und eine sehr vielversprechende Zukunft, doch ein einziger DNA-Test kann Welten verändern.
In ihrer Welt ist es das HTS Gen - das Mördergen. Wer sich schon einmal mit DNA befasst hat, der wird schon einmal davon gehört haben, dass ist es, was die Handlung so erschreckend macht.
Doch gerade wenn man Davy kennenlernt, passt das Ergebnis so gar nicht zu ihr. Sie ist alles andere als gewalttätig, aber Umstände und die Angst können jeden Menschen dazu bringen sich verteidigen zu wollen.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch in Davys Geschichte einige Figuren dieses Gen durchaus zu nutzen wissen und ihre perfide Seite ausleben wollen. Als Leser wird man gespalten, ebenso ergeht es den Figuren. Auf welcher Seite steht man nun, wo gehört man hin. Was ist noch richtig und was falsch?
Sophie Jordan zeigt mit ihrer talentierten Protagonistin auf, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt und man durchaus für sein Leben selbst verantwortlich ist und sich nicht immer fügen muss. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!
Auch Davy muss die Erfahrungen machen, dass sie auf einmal ganz allein allen gegenübersteht, die ihr einmal Freundschaft versprochen haben und nun nur noch Verachtung und Misstrauen zeigen. Als Leser bekommt man in diesen Szenen Mitleidsgefühl und die Emotionen Davys überfluten einen.

Die Autorin verschönt hier nichts, auch nicht, dass man mit Trägern alles machen kann, und Davy ist ein Mädchen. Kein Mann würde verurteilt werden, wenn er ihr etwas antun würde.
Sean ist ihr einziger Halt in jenen Situationen. Er scheint durchaus gefährlich zu sein und überaus vorsichtig mit seinem Vertrauen anderen gegenüber. Man merkt dennoch, dass er sehr gern mehr an Davys Seite treten möchte, sich aus unerfindlichen Gründen aber nicht entscheiden kann.
Leider hat mich an der Geschichte nicht alles gänzlich von sich überzeugen können. In manchen Szenen hatte es gewirkt, als wenn die Autorin schnell Spannung hineinbringen wollte, aber die Handlung danach flachte dann wieder schnell ab. Alles plätscherte dahin, mit verschiedenen starken Spannungsbögen versetzt.

Auch die tolle Lesung von Friederike Walke, die “Infernale” für den cbj Audio Verlag eingesprochen hat, konnte diese Lücken, die mir persönlich nicht gefielen, nicht schließen.
Die Idee hinter dem Buch ist grandios und sehr gut umgesetzt, deswegen möchte ich nur einen halben Stern abziehen und vergebe 4,5 Kolibris.

Da ich glaube, dass der zweite Band, welcher für Juli 2016 angekündigt ist und “Infernale - Rhapsodie in Schwarz” heißen wird, denn Leser durchaus mehr Aktion verspricht. In Band eins lernte man die Figuren kennen, in Teil zwei wird man mit ihnen leiden, so hoffe ich.









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